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 Das geheime Tagebuch eines kleinen Halbelfen

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Teague McCallion

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Rs-Name : Tazim Sedos
Anzahl der Beiträge : 718
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BeitragThema: Das geheime Tagebuch eines kleinen Halbelfen   Fr Nov 20 2015, 12:14

*Die Spitze des Bleistiftes fährt mit einem kratzenden Geräusch über das Papier des in Leder gebundenen Buches, während die weißen Seiten vom fahlen Kerzenlicht erhellt werden, welche der Halbelf mit der Decke über dessen Haupt beschreibt.*

Ich war allein.

Ausser ein paar Leuten, die sich mal um mich gekümmert haben, war ich alleine.
Das Dorf war wie verlassen, nur selten kam mal Jemand, der mich besuchen wollte.
Also ging ich zur Statue und erzählte ihm alles, was mir im Kopf schwirrte.
Alles was ich so erlebt habe.
Manchmal tat ich so, als würde er mir antworten oder mir Geschichten erzählen...

Dann kam Mama zurück!

Es war schön, endlich eine Mutter zu haben.
Sie war ist zwar oft traurig, aber ich versuche mein Bestes, sie aufzumuntern...
Mama ist immer sehr beschäftigt. Darum konnten wir auch noch nicht gemeinsam zur Statue gehen, wie wir es geplant hatten.
Aber es freut mich sehr, dass ich sie überhaupt sehe.

Opa war heute auch sehr traurig.
Ich gab ihm in Al-Kharid eine Kette mit einem Blatt dran.
Das hat ihn glaube ich gefreut.
Ich mag es nicht, wenn Leute traurig sind.
Darum habe ich mich heute zu einem Jungen gesetzt, der ganz dürr und kaputt war.
Er hat zwar nicht geredet, aber gelächelt, weil ich ihm einen Apfel und Geld gab.
Dafür habe ich ein Stück von seinem Brot bekommen, das nicht besonders geschmeckt hat.

Danach hat mich Onkel Earendil zu einem Übungskampf mitgenommen.
Ich habe, obwohl ich Opas Wüstenwind und Papas Pistole benutzt habe, verloren...
Ach, das habe ich noch vergessen.
In meinem Zimmer lag ein braunes Päckchen, in dem ein schwarz-silberner Dolch, ein Ring, ein Amulett und eine Pistole war.
Oben drauf lag eine Karte:

''Alles Gute zum Geburtstag, mein Sohn.''
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Teague McCallion

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Rs-Name : Tazim Sedos
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BeitragThema: Re: Das geheime Tagebuch eines kleinen Halbelfen   Sa Nov 21 2015, 21:23

*Ein weiteres Mal durchbricht lediglich das Geräusch des auf dem Papier kratzenden Stiftes die Stille des Raumes. Das Licht der Kerze flackert stumm vor sich hin, während der junge Halbelf die Erlebnisse seines Tages niederschreibt.*

Heute war ich in Port Sarim.
Irgendwann kam dann ein seltsam gekleideter Mann mit komischer Stimme und sprach mit mir.
Dann fiel er plötzlich um.
Elavan hat ihn mit seiner Magie festgehalten und seine Sense kaputt gemacht.
Scheinbar war der Mann sehr gefährlich...
In Falador habe ich Bran getroffen.
Das ist der dürre Junge von damals.
Als ich dann wieder zuhause war, kam Sir Siegmund und hat mich zu einem Turnier eingeladen.
Ausserdem hat er mir eine kleine Kiste gegeben, mit besonderem Inhalt.
Er war sehr freundlich und höflich, wie ein richtiger Ritter.
Ich wurde oft auf meinen Papa angesprochen...
Ein seltsamer Tag.
Ich halte mich diesmal kürzer.
Ich freue mich auf das Turnier!
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Teague McCallion

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Rs-Name : Tazim Sedos
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BeitragThema: Re: Das geheime Tagebuch eines kleinen Halbelfen   Di Dez 08 2015, 14:57

*Früh am Morgens, bevor die Sonne über die Weiten der östlichen Wüste scheint, klettert der junge Halbelf aus seinem Bett und verewigt auf einer der leeren Seiten seines Tagebuchs, den gespitzten Bleistift in seiner rechten Hand haltend, folgende Worte:*

Mama und Papa sind wieder da!
Ich bin nicht mehr allein, nie wieder.
Meine Familie ist wieder heile, auch wenn Mama manchmal noch komisch ist...
Papa hat auch ganz viel zu tun.
Aber immer wenn ich am Abend zuhause bin, sind sie da.
Papa sagt ich soll ihm sagen, wenn mich Jemand stört.
Er kümmert sich dann darum, sagte er.
Ich bin glücklich, so liebe Eltern zu haben!

*Eine Kohlestift-Zeichnung ist scheinbar zwischen die Seiten gelegt worden*
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Teague McCallion

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Rs-Name : Tazim Sedos
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BeitragThema: Re: Das geheime Tagebuch eines kleinen Halbelfen   So März 20 2016, 21:25

*Auf dem weißen Papier des Tagebuchs wurde nur ein einziger Satz verewigt, zwischen die Seiten wurde eine weitere Kohlestift-Zeichnung geklemmt*

Meine Familie ist wieder kaputt.

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Teague McCallion

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Rs-Name : Tazim Sedos
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BeitragThema: Re: Das geheime Tagebuch eines kleinen Halbelfen   Sa Dez 23 2017, 17:21

Vor langer Zeit hat mir Onkel Loran ein Buch geschickt!

Kapitel 1:
Die Geschichte des Greifenritters beginnt vor vielen, vielen Jahren in einem kleinen Dorf. Sie beginnt – wie sollte es auch anders sein – mit einem Jungen an der Schwelle zum Mannesalter.
Learil, so nannte man ihn, war der Sohn eines einfachen Bauernehepaares. Seine Eltern waren gutmütige, aber einfache Menschen. Nichts interessierte sie mehr als die Qualität der diesjährigen Ernte oder das Wetter am kommenden Tage. Doch wer sollte es ihnen verübeln? Etwas anderes kannten sie nicht im Leben.
Der junge Learil jedoch fühlte sich stets so, als würde er nicht in dieses Leben gehören. Er stand jeden Tag früh auf. Fleißig half er seinen Eltern am Feld und mit den Tieren.
Doch abends, wenn die Arbeit am Bauernhof ruhte, besuchte er gerne die Taverne unten im Dorf. Nicht selten erzählte dort einer der älteren Männer oder auch ein Reisender eine Geschichte. Meistens ging es in diesen Geschichten um wahre Heldentaten, um Ritter und um Drachen.
An einem dieser Geschichtenabende traf Learil auch auf Nalea, die Tochter des örtlichen Schmiedes. Er erinnerte sich noch gut an den Moment, als er sie zum ersten Mal erblickte. Ihr Haar war schwarz wie Ebenholz, ihr Lächeln strahlend wie der Mond. Ihr Lachen hingegen war rau und männlich, ihre Hände kräftig und schmutzig von der Arbeit in der Schmiede. Learil war auf den ersten Blick verliebt.
Bald kam er jeden Tag in die Taverne, um sie zu sehen. Und irgendwann schien auch sie sich in ihn zu verlieben.
Es dauerte nicht lange, bis die beiden sich bei einem geheimen Treffen in der alten Scheune am Rande des Dorfes ihre unsterbliche Liebe schworen.
„Du darfst niemandem von uns erzählen“, hatte Nalea damals mit heiserer Stimme geflüstert. „Graf Horacio ist bekannt dafür, dass er das Recht der ersten Nacht einfordert. Und lieber würde ich sterben, als ihm diesen Wunsch zu erfüllen.“
Learil dachte mit Schaudern an den dicken, alten Grafen, der mit eiserner Faust von seiner kleinen, hässlichen Burg aus über das Dorf und die umliegenden Ländereien herrschte. Einmal hatte er gesehen, wie dessen Ritter lachend einen betrunkenen Bettler verprügelt und ihn anschließend nackt von ihren Pferden aus durch die Straßen getrieben hatten.
„Auch ich würde lieber sterben. Lass uns stattdessen von hier verschwinden! Wir werden schon einen Ort finden, an dem wir in Frieden leben können“, schlug Learil verzweifelt vor.
Nalea lachte nur traurig und antwortete: „Wohin sollen wir beide denn gehen? Ohne Wissen über die Welt, ganz alleine, ohne Geld? Und was soll aus unseren armen Eltern werden, wenn sie einmal alt und gebrechlich sind?“
Learil wollte widersprechen, doch es gelang ihm nicht. Tief in seinem Herzen wusste er, dass sie Recht hatte. Es war eine schreckliche Furcht, die sein Inneres zu umklammern schien wie eine Faust aus Eis. Sie allein war es, die ihn davon abhielt, Nalea mit sich zu nehmen und all dieses Elend endlich hinter sich zu lassen.
Oft und lange verfluchte Learil diese eisige Faust. Doch sie drückte nur immer fester zu, als würde sein kläglicher Widerstand sie erfreuen und sie dazu anregen, ihn noch mehr zu quälen.

Kapitel 2:
Es fing immer gleich an, erzählte man sich im Dorf. Erst kam ein übler Husten, rau und keuchend. Dann, irgendwann, mischte sich Blut in den Husten. Als nächstes wurde der Kranke schwächer und schwächer, ehe er nicht mehr aufstehen konnte, kaum noch in der Lage war zu sprechen. Und dann kam der Tod.
Es war ein kühler, nasser Abend im späten Herbst, als Learil die Symptome bei Nalea zum ersten Mal bemerkte. „Es ist nur eine kleine Grippe, mach dir keine Sorgen. Meinem Vater und meiner kleinen Schwester geht es momentan genauso. Das wird bald wieder verschwunden sein“, beschwichtigte sie ihn, als er sie darauf aufmerksam machte.
Und so beschloss Learil, abzuwarten.
Doch es wurde nicht besser, ganz im Gegenteil. Von Woche zu Woche schien Nalea bleicher und schwächer zu werden, ihr Husten schwerer und rasselnder, als sie erzähle: „Meine kleine Schwester kann schon gar nicht mehr vom Bett aufstehen. Ich verbringe den ganzen Tag damit, sie zu pflegen.“
Bei der nächsten Gelegenheit suchte Learil den einzigen Heiler im Dorf auf. Bei dessen Haus jedoch wurde er von seiner Ehefrau abgewiesen. „Mein Mann ist im Schloss von Herzog Horacio“, meinte sie. „Seine Frau hat einen Schnupfen, und sie möchte den Heiler nicht mehr gehen lassen, bis dieser vollständig auskuriert ist.“
So eilte Learil eilig weiter zum Schloss des Herzogs. Doch es kam genau, wie er erwartet hatte. Lachend und pöbelnd und zum Ende hin gar unter Drohungen schickten ihn die Wachen fort. Es halfen keine Argumente, kein Bitten und kein Betteln. Der Schnupfen einer Herzogin war nun einmal wichtiger als die tödliche Grippe einer Schmiedetochter.
Geknickt trat Learil den Rückweg nach Hause an. Als er gerade den kleinen Wald durchquerte, der zwischen dem Dorf und dem Bauernhof seiner Eltern lag, hörte er eine leise Stimme.
„Ich weiß, wonach du suchst“, ertönte es von irgendwoher.
Überrascht blickte Learil sich um. Er drehte sich in alle Richtungen, doch weit und breit war niemand zu sehen. Learil rief: „Zeige dich, wo auch immer du bist!“
„Hier oben, Dummkopf“, kam die gelangweilte Antwort zurück. Da erst konnte der Bauernjunge die Quelle der Stimme ausmachen. Hoch oben in den Ästen eines Baumes am Rand des Weges saß eine Eule, die ihn mit klugen Augen scheinbar belustigt musterte. Sie war ungewöhnlich groß und ihre grauen Federn strahlten so sehr, dass sie beinahe schon blau wirkten.
„Was du suchst, ist die Feder eines Greifen“, erklärte das Tier nun mit weiterhin gelassener Stimme. „Wusstest du es nicht? Einmal in seinem Leben kann jeder Greif eine Feder geben, die jede Krankheit zu heilen vermag.“
Immer noch völlig perplex sah Learil sich nicht in der Lage, eine Antwort zu geben. Stumm stand er da, die Arme zu den Seiten herabhängend, und sah zu der Eule hinauf.
Diese ließ ein krähendes Lachen hören. „Wende dich nach Nordosten“, meinte sie, ehe sie ihre Flügel spannte und sich innerhalb von wenigen Sekunden aus seinem Sichtfeld bewegte.
Ein leises, dumpfes Geräusch ertönte, als die Eule einen kleinen Gegenstand, den sie zuvor wohl unter ihren Federn verborgen hatte, auf den weichen Waldboden fallen ließ. Learil blickte dem Tier einige Momente lang ratlos hinterher, ehe er zu dem Gegenstand hinüber schritt und ihn aufhob, um ihn genauer zu betrachten.
Es war ein Amulett. Kreisrund und von bronzener Farbe, mit dem eingravierten Symbol einer Feder darauf.
Instinktiv nahm Learil das Amulett und steckte es ein. Dann machte er sich so schnell wie möglich auf den Weg nach Hause.

Kapitel 3:
Viele Stunden verbrachte Learil damit, im Halbdunkel seines kleinen Zimmers im Bauernhof zu sitzen und stumm das geheimnisvolle Medaillon seiner Eule anzustarren. Ob dies wirklich die letzte Rettung war? Oder hatte er sich diese Begegnung nur eingebildet? Wer hatte denn jemals von einer sprechenden Eule gehört?
Die ganze Nacht rasten seine Gedanken hin und her, vor und zurück. Im Morgengrauen hatte er eine Entscheidung gefasst.
Still und leise, um seine Eltern nicht aus dem Schlaf zu wecken, packte er einige Lebensmittel in einen Rucksack und zog sich an. Noch ehe das Dorf und die umliegenden Ländereien zum Leben erwachten, war er bereits auf dem Weg.
Er war dem Trampelpfad nach Nordosten noch keine halbe Stunde lang gefolgt, als er an einer kleinen Kreuzung auf drei Ritter traf. Sie hatten offensichtlich gerade einen Auftrag in Diensten des Herzogs erledigt und befanden sich nun auf dem Rückweg ins Dorf.
„Was haben wir denn da? Was schleicht ein Bauernbursche so früh am Morgen so weit vom Dorf entfernt herum?“, fragte einer der Ritter, während er sein Visier nach oben schob. Das Gesicht des Mannes war feist und schweinegleich, seine Augen nicht größer als ein Kiesel.
Learil versuche vergeblich, sich zu rechtfertigen. Er solle Getreidesamen aus dem Markt von einem der Nachbardörfer besorgen.
„Du weißt so genau wie wir, dass heute kein Markttag ist“, mischte ein weiterer Ritter sich mit drohender Stimme ein. Er war größer und muskulöser als sein Nebenmann. „Wir erkennen einen Fliehenden, wenn wir ihn sehen. Hast wohl keine Lust mehr, bei unserem braven Herzog Horacio zu leben, nicht wahr? Mach dich besser eiligst auf den Rückweg, sonst wirst du uns kennen lernen!“
Mit diesen Worten begannen die Ritter, ihre Pferde bedrohlich auf Learil zuzutreiben. Dieser überlegte nicht lange. Hastig drehte er sich um und rannte davon. Noch bevor seine Eltern erwachten, war er wieder am heimischen Bauernhof angelangt. Sie bemerkten nichts.
Am folgenden Abend traf Learil sich wieder mit Nalea. Ihr klägliches Husten, ihr trauriges Lächeln und ihre sanfte Stimme gaben ihm mehr Entschlossenheit, als eine sprechende Eule mit ihren vagen Andeutungen ihm je geben könnte. Sie gab ihm mehr Entschlossenheit als Horacios Ritter ihm jemals nehmen würden können.
„Wir werden uns vielleicht eine Weile lang nicht sehen, denn ich muss eine kurze Reise unternehmen. Bitte versprich mir, dass du noch da bist und auf mich wartest, wenn ich wieder komme“, bat Learil sie, als die beiden Verliebten sich an jenem Abend voneinander verabschiedeten.
Nalea war verwirrt, denn ihr Geliebter wollte ihr nicht verraten, wohin seine Reise ging. Learil wollte ihr keine falschen Hoffnungen geben, nur um sie im Falle seines Scheiterns doch enttäuschen zu müssen. Trotzdem gab sie ihm ihr Versprechen.
Noch in derselben Nacht machte er sich auf den Weg. Das Medaillon der Eule an einem einfachen Strick um den Hals gebunden, den Rucksack voller Proviant und einen Wanderstock in der Hand marschierte er im weichen Licht des Mondes los.
Lange bevor die ersten Sonnenstrahlen die Erde berührten, hatte er das Einflussgebiet von Herzog Horacio schon weit hinter sich gelassen.

Kapitel 4:
Learil hatte das Dorf und die umliegenden Ländereien noch nie zuvor verlassen. Umso enttäuschter war er als er herausfand, dass das Leben einige Tagesmärsche weiter im Nordosten auch nicht anders war als in seiner Heimat. Dieselben Ritter trabten auf ihren Pferden stolz die Straßen entlang, dieselben Bauern bearbeiteten mit gekrümmten Rücken und finsterem Blick die Felder am Rand des Weges.
Langsam ging der Herbst seinem Ende zu, und die Nächte wurden feucht und eisig kalt. Am dritten Tag seiner ziellosen Wanderung beschloss Learil, ein paar seiner wenigen Münzen zu investieren, um die Nacht in der Wärme einer Taverne am Straßenrand zu verbringen.
So kam es, dass er den Abend an einem Tisch in der Schankstube einer alten, heruntergekommenen Taverne verbrachte. Interessiert betrachtete er die anderen Gäste, während er sich am Kaminfeuer und einer frischen Gemüseeintopf erwärmte. Einige Männer aus einem nahen Dorf waren da, aber auch ein königlicher Eilbote sowie ein in die Jahre gekommener Ritter mit weißem Bart. Letzterer schien immer wieder zu Learil zu blicken, welcher das Medaillon mit der Feder gedankenverloren in seiner Hand drehte.
Am nächsten Morgen machte der Bursche sich frischer Kräfte auf den Weg. Er war ausgeruht und frohen Mutes, doch ein gewaltiges Problem hatte er noch immer: Er kannte den genauen Weg zu seinem Ziel nicht. Als er sich bei einigen Ortsansässigen nach Greifen erkundigt hat, hatten diese ihn ausgelacht. Langsam begann er, immer mehr an der Sinnhaftigkeit seiner Reise zu zweifeln.
Da hörte Learil plötzlich das Geräusch von Hufen hinter sich, das immer näher kam. Er trat gedankenverloren zur Seite, um den Reiter in der Mitte des schmalen Weges passieren zu lassen. Doch dieser ließ sein Pferd neben dem Bauernjungen anhalten.
Learil wandte den Blick vorsichtig nach oben. Es war der alte Ritter, der ihn am Abend zuvor in der Taverne beobachtet hatte.
„Ich habe dein Medaillon gesehen. Ich weiß, wonach du suchst“, stellte der Fremde mit ruhiger Stimme fest.
Learil nahm sich einige Augenblicke, um den Mann genauestens zu mustern, ehe er antwortete. Der Ritter trug eine relativ schlichte, aber nicht allzu billige Rüstung. Sie war an manchen Stellen leicht verbeult und sollte wieder einmal repariert werden, wirkte im Allgemeinen jedoch recht stabil. Das Gesicht des Fremden, den Learil auf Mitte sechzig schätzte, war glatt rasiert und gutaussehend. Kurz geschorenes weißes Haar bedeckte seinen Kopf. An der Hüfte trug er ein stählernes Langschwert und einen langen Dolch. Vollhelm und Schild, die am Sattel angebracht waren, trugen keine Wappen.
Der Ritter fuhr fort: „Mein Name ist Sir Varion und ich gehöre zu den Rittern des uralten Greifenbundes. Wir haben es uns zu unserer Aufgabe gemacht, den Wilden Berg zu erklimmen, um die Heimat der letzten Greifen zu finden.“
Bei diesen Worten kam Learil ins Grübeln. Als Kind hatte er in so mancher Geschichte vom legendären Wilden Berg gehört – einem unwegsamen Gebilde von riesiger Ausdehnung, das im Norden des Königreiches lag und von keinem Menschen je bestiegen worden war. Ob dies tatsächlich die Heimat der Greifen sein konnte?
„Könnt Ihr mich dorthin führen, Sir?“, fragte Learil nach einigen Worten schließlich zögerlich.
Zufrieden nickte der alte Ritter. „Folge mir“, sagte er. „Ich habe dir viel zu erzählen.“

Kapitel 5:
Auf dem weiteren Weg nach Nordosten führten Learil und Sir Varion lange Gespräche. So erfuhr der junge Bauernbursche, dass die Ritter des Greifenbundes seit vielen, vielen Jahren nach den verschollen geglaubten Greifen suchten und diese auf dem Wilden Berg vermuteten. Jedoch hatte noch kein Mensch es geschafft, diesen zu bezwingen.
Durch eine Prophezeiung hatte Sir Varion einst erfahren, dass es einem Jungen mit einem Medaillon mit dem Zeichen einer einzelnen Feder eines Tages gelingen würde, diese Herausforderung zu bewältigen.
Unterwegs erklärte Sir Varion sich auch bereit, Learil in der Kunst des Schwertkampfes zu unterrichten. Der Bauernbursche war zwar klein und unscheinbar, doch auch drahtig, eifrig und mutig. Mit der richtigen Ausbildung hätte er gewiss die Fähigkeiten gehabt, um eines Tages zu einem großen Kämpfer zu werden.
Nach einigen Tagen erreichten die beiden Gefährten die ersten Ausläufer des Wilden Berges. Das Wetter wurde hier noch kälter, der Wind wurde noch schneidender und der Boden zunehmend felsig. Siedlungen wurden stetig seltener, ehe sie schließlich durch ein gänzlich verlassenes Gebiet wanderten.
Schließlich jedoch kamen sie bei ihrem Ziel an. Learil staunte. Der Wilde Berg war so breit, dass er sein Ende mit bloßem Auge nicht erfassen konnte. Ein einziger, immer steiler werdender Felshang türmte sich vor ihm immer höher auf, ehe er schließlich in den dicken, grauen Wolken verschwand.
„Hier werden unsere Wege sich trennen“, sprach Sir Varion, als er sein Pferd am Fuße des Berges zum Stillstand brachte. Learil blickte ihn fragend an.
Der alte Ritter erklärte: „Ich habe mich schon lange damit abgefunden, dass ich den Wilden Berg nicht mehr erklimmen werde. Ich bin zu alt und meine Glieder werden allmählich steif. Alleine hast du die besseren Chancen.“
Learil wollte protestieren, doch sein Begleiter unterbrach ihn. „Außerdem möchte ich, dass du dies hier nimmst“, sagte er. Mit diesen Worten schnallte er sein Schwert mitsamt Gurt ab und reichte es dem Jungen. „Solltest du jemals in dieses Land zurückkehren, dann komme und erzähle mir von deinem Abenteuer! Frage nach dem Greifenbund und du wirst mich finden.“
So verabschiedete Sir Varion sich. Learil sah ihm lange schweigend nach. Dann wandte er sich dem Wilden Berg zu.
Ein schmaler Pfad wand sich in Serpentinen den Hang vor ihm hinauf. Kurz entschlossen folgte er ihm.
Nach wenigen Minuten hatte Learil bereits eine beträchtliche Höhe erreicht. Der Pfad stieg steil an und ein Blick zur Seite ließ den jungen Abenteurer beinahe schwanken. Die Felswand fiel beinahe senkrecht zum Boden hin ab. Ein falscher Schritt würde seinen Tod bedeuten.
Scheinbar endlos wanderte Learil so nach oben. Bald befand er sich inmitten der tief hängenden Wolken und konnte den Boden nicht mehr sehen. Das Luftholen fiel ihm schwer und sein Atem stieg in der Kälte in nebligen Wolken von seinem Mund auf. Das Gewicht des Schwertes wog wie Blei an seiner Hüfte.
Plötzlich jedoch war der Pfad zu Ende. Learil blieb überrascht stehen. Damit hatte er nicht gerechnet. Andererseits war er noch an kein unüberwindbares Hindernis gelangt – und an irgendetwas mussten all jene, die es vor ihm versucht hatten, ja gescheitert sein.
Ratlos sah er sich um. Da erblickte er auf einem Felsvorsprung, nicht weit entfernt, eine einzelne blaue Feder.

Kapitel 6:
Sorgsam schätzte Learil die Entfernung ab. Er würde springen müssen, um den Vorsprung zu erreichen. Dieser war nicht weit entfernt und relativ breit. Aber ein falscher Schritt, und Learil würde unaufhaltsam in die Tiefe springen.
Minutenlang stand er regungslos in der Kälte und dachte nach. Schließlich war es der Gedanke an die Stimme von Nalea, die ihn zu einem Entschluss brachte.
Learil packte den Griff seines Schwertes fest mit der Hand, um zu verhindern, dass es beim Sprung hin und her schlenkerte. Dann ging er einige Schritte zurück, nahm all seinen Mut zusammen, lief an und drückte sich mit beiden Beinen vom Boden ab.
Mit einem lauten Donnern und auf allen Vieren landete er sicher auf dem Vorsprung. Keuchend richtete Learil sich auf und blickte sich um. Vor ihm ging der Pfad weiter!
Der junge Abenteurer hob die Feder auf und steckte sie ein, dann setzte er seinen Weg fort. Wieder einmal konnte er nicht sagen, wie viel Zeit verging. Minuten? Stunden? Er musste nun bereits mehrere hundert Meter über dem sicheren Boden sein. Oh, wie er sich nur dessen Festigkeit und Sicherheit zurückwünschte!
Nach einiger Zeit endete der Weg schließlich wieder. Erneut blickte Learil sich um.
Und siehe da, einige Meter über sich machte er einen weiteren Vorsprung aus! Diesmal würde er nicht springen, sondern klettern müssen.
Learil war beinahe schon erleichtert. Aufgrund seiner kleinen, drahtigen Statur war er schon immer ein guter Kletterer gewesen. Selbstsicher und kurz entschlossen machte er sich an den Aufstieg.
Doch er hatte das Gewicht seines Schwertes unterschätzt, ebenso wie seine Ermüdung durch die bisherige Wanderung und das eiskalte Gefühl in seinen Fingern, welches diese unbeweglich und steif machte. In einer besonders schwierigen Stelle kam er plötzlich weder vor, noch zurück.
Lange hing er regungslos in der Wand, scheinbar nicht fähig, sich zu bewegen. Sein Herz und seine Gedanken rasten gleichermaßen. Für einen kurzen Moment dachte er sogar daran, was für eine Erleichterung es wäre, sich einfach nach hinten fallen zu lassen. Keine Gefahren mehr, keine Unterdrückung und keine Furcht. Einfach nur einige Sekunden der Freiheit und dann das Ende.
Schließlich jedoch gelang es ihm, sich zu fassen. Wie in Trance löste er seine linke Hand von der Wand und griff weiter nach oben. Beinahe schon automatisch zog er sich nach oben, setzte dann die Füße nach und setzte seinen Weg fort. Wenig später hatte er den nächsten sicheren Vorsprung erreicht.
Learil spürte, wie der eiskalte Angstschweiß auf seiner Haut ihn im schneidenden Wind erzittern ließ. Einige Minuten lang lag er einfach nur da, kraftlos und verängstigt.
Von diesem Vorsprung aus führte der Pfad weiter nach oben. So setzte Learil seinen Weg nach einer kurzen Pause entschlossen fort.
Nach einer ganzen Weile – er musste nun wirklich ungemein weit über dem Boden sein – erschien es ihm, als könne er inmitten des grauen Nebels, der ihn umgab, verschiedene Formen ausmachen. Rasend schnell und riesengroß huschten sie an ihm vorüber, nur um den Bruchteil einer Sekunde später wieder zu verschwinden. Learil war, als vernähme er außerdem ein fernes Geräusch, das ihn an Donnergrollen erinnerte. Ob ein Gewitter aufzog? Das hätte ihm gerade noch gefehlt…
Plötzlich raste einer der Schatten direkt auf ihn zu, bog kurz vor der Felswand ab und rauschte dann wieder davon. Learil meinte, rot glänzende Schuppen ausgemacht zu haben, war sich jedoch nicht ganz sicher. Panisch keuchend sank er mit dem Rücken gegen die Felswand.
Es dauerte einige Minuten, ehe er sich wieder erholt hatte. Was in aller Welt konnte das gewesen sein? Doch er hatte keine Wahl. Er musste seinen Weg fortsetzen.
Allmählich erschien es Learil, als würde der Felspfad nach und nach breiter. Auch der Nebel wurde immer weniger dicht – sein zuvor tiefes grau wandelte sich langsam in ein milchiges weiß.
Frohen Mutes schritt Learil mit neuer Kraft voran. Der Pfad war mittlerweile zu einem breiten Weg geworden, auf dem er sich schon erheblich sicherer fühlte.
Plötzlich, ohne jede Vorwarnung, ließ er den Nebel gänzlich hinter sich und kehrte zurück in das strahlende Licht der Sonne. Auch der Pfad endete jäh. Er hatte den Wilden Berg bezwungen!
Fasziniert blickte Learil sich um. Vor ihm erstreckte sich nicht, wie er erwartet hatte, eine öde Felslandschaft. Vielmehr blickte er auf eine scheinbar endlos weite Wiese, durchzogen von schmalen Bächen, sanften Hügeln und kleinen Teichen. Das leise Plätschern von Wasser erfüllte die Luft.

Kapitel 7:
Einige Minuten verbrachte Learil nur damit, atemlos vor Freude durch das weiche Gras zu wandern. Das warme Licht der Sonne hatte die Eiseskälte bald aus seinen durchgefrorenen Gliedern vertrieben.
Da ertönte mit einem Mal ein Geräusch, das dem jungen Abenteurer durch Mark und Bein ging. Ein Kreischen, lauter und schneidender als alles was er je zuvor gehört hatte. Es klang nach Wut und Schmerzen.
Instinktiv blickte Learil sich um. Schnell erkannte er, dass das Kreischen hinter einem nahen Hügel ertönt haben musste. Eilig rannte er dorthin.
Vorsichtig robbte der Bursche den kurzen Hang hinauf, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Oben angekommen hob er langsam seinen Kopf, um über die Kuppe auf die andere Seite zu spähen. Was er dort erblickte, ließ ihn für einige Momente wie eingefroren erstarren.
Das majestätische Wesen vor ihm schien ein Löwe mit dem Kopf und den Schwingen eines Greifvogels zu sein. Mit seinem strahlend goldenen Fell, seinen gewaltigen Tatzen und seiner Schulterhöhe von mehr als eineinhalb Metern wirkte es zugleich edler und bedrohlicher als alles, was Learil jemals zuvor gesehen hatte. Dies war also ein Greif.
Erst auf den zweiten Blick erkannte er, dass der Greif verletzt war. Er blutete stark aus einer Wunde an seinem linken Hinterbein. Zwei weitere Wesen schlichen in einem Kreis bedrohlich um ihn herum, offensichtlich bereit zum Angriff.
Diese beiden Monster erinnerten an knallrote Echsen, doch sie waren so groß wie Pferde und hatten lange Krallen und Zähne sowie schmale, ledrige Schwingen. Hungrig nach Blut und Beute fuhren ihre gespaltenen Zungen über ihre schuppigen Gesichter.
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