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 Die gesammelten Geschichten von Gielinor

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Vunian

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Rs-Name : Vunian
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BeitragThema: Die gesammelten Geschichten von Gielinor   Sa Dez 13 2014, 12:02

Epilog:
Ich, ein junger Autor aus Varrock, habe es mir zum Ziel gesetzt, ein Werk von monumentalen Ausmaßen zu erschaffen. Ein Buch, das von den unglaublichsten Geschehnissen in ganz Gielinor berichtet, dienlich als historisches Nachschlagwerk sowie als interessante Bettlektüre.
Hierfür habe ich eine abenteuerliche Reise durch alle Kontinente und Meere begonnen, auf der ich mich mit Weisen, Unsterblichen und Geschichtenerzählern austauschen werde, um eine Sammlung der unterhaltsamsten und verwunderlichsten Geschehnisse zu erstellen und diese schriftlich zu verarbeiten.
Die Reihung der Geschichten in diesem Buch wird nicht nach ihrer historischen Chronologie erfolgen. Doch es steht jedes einzelne Kapitel für sich und kann unabhängig von den anderen gelesen werden, weshalb ich hoffe, dass so mancher Erquickung in den folgenden Zeilen finden wird.
Eine spannende Reise in die Welt der Schrift wünscht dem Leser
Aldous Baker
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Vunian

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BeitragThema: Re: Die gesammelten Geschichten von Gielinor   Sa Dez 13 2014, 12:04

Geschichte 1 - Die Legende von Athelael

Die Legende besagt, dass Athelael Ithell, so sein voller Name, vor fast 500 Jahren geboren, wurde, und zwar in dem zauberhaften Elfenland Tirannwn. Kaum ein Mensch hat dieses Reich jemals betreten, und niemand von unserer Rasse, der je dort war, war nach seiner Rückkehr noch der Gleiche. Denn zu schön sind die Wälder dieses Landes, zu prächtig ist seine Hauptstadt, als dass sie nicht das Herz eines jeden Menschen berühren würden.
Doch selbst in diesem Reich voller Schönheit und Magie war Athelael jemand besonderes, denn er war ein Mitglied einer der höchsten elfischen Adelsfamilien. Denn der König der Elfen, Dyloran Ithell selbst, war sein Onkel, und seine Cousine war die bezaubernde Prinzessin Artemis.
Eines Tages versammelte sich der ganze Hof des königlichen Palastes, sowie geladene Gäste aus verschiedenen Teilen von Tirannwn, um den 40. Geburtstag von Prinzessin Artemis zu feiern. Der 40. Geburtstag ist für die Elfen ein sehr wichtiges Ereignis, denn dies ist der Tag, an dem die Mitglieder dieses sagenhaften Volkes ihre Volljährigkeit erlangen. Athelael, selbst nur 2 Jahre älter als die Prinzessin, wohnte der prächtigen Zeremonie ebenfalls bei. Es heißt, schon damals habe er, obwohl für einen Elfen noch sehr jung, die meisten anderen, die sich in der Halle befanden, an Schönheit und Weisheit weit überstrahlt.
Doch plötzlich wurde die Feier unterbrochen: böse Dunkelelfen, Anhänger des finsteren Gottes Zamorak, drangen in den Saal ein, und schnell entbrannte ein heftiger Kampf. Schon hatte Athelael sein Schwert gezogen, um in den Kampf einzugreifen und seine Freunde und Familie zu beschützen, als ihn ein schwarzer Pfeil, abgefeuert von einem Dunkelelfen, mitten in die Brust traf.
Schwer verletzte stürzte Athelael zu Boden. Einer der Hofmagier von König Dyloran rannte durch das Kampfgetümmel auf ihn zu und sagte: „Ich muss Euch von hier fortbringen, Lord Ithell!“. Der sterbende Athelael brachte nur mehr ein schwaches Keuchen als Antwort heraus. Doch schon legte ihm der Magier seine Hände auf den Kopf und murmelte ein paar geheimnisvolle Worte. Athelael blinzelte, und plötzlich befand er sich, immer noch liegend, und immer noch schwer verletzt, auf einer sanften grünen Wiese, auf der vereinzelt einige Bäume wuchsen.
Weit und breit war niemand zu sehen der ihm helfen konnte, und Athelael selbst war bereits zu geschwächt von seiner Wunde, um selbst aufzustehen. Trauernd die anderen Elfen des Ithell-Clans, denn er war sich sicher, dass außer ihm niemand den Angriff der Dunkelelfen überlebt hatte, fand er sich mit seinem bevorstehenden Tod zurecht. Er schloss die Augen und driftete davon in einen unruhigen Schlaf.
Athelael fand sich in einem wunderschönen Garten wieder. Rund um ihn herum wuchsen die schönsten Blumen und Bäume die man sich vorstellen konnte, und keine einzige davon hatte er jemals zuvor gesehen. Langsam ging der junge Elf durch diesen wundersamen Garten, und verwundert stellte er fest, dass die Schritte, die er mit seinen schweren Stiefeln machte, keine Geräusche verursachten.
Nach einigen Minuten blieb Athelael stehen, um sich ein paar der prächtigen Blumen genauer anzusehen. Plötzlich trat hinter einem der Bäume ein großer Schwarzbär hervor.
Das gewaltige Tier öffnete seinen Mund, doch anstelle des tiefen Knurrens eines Bären ertönte die sanfte, beruhigende Stimme einer Frau. „Deine Zeit ist noch nicht gekommen Athelael Ithell“, sagte sie, „Gehe nach Süden, und du wirst deine Aufgabe erkennen.“
Athelael öffnete seinen Mund, um einige der vielen Fragen loszuwerden, die ihm auf der Zunge lagen. Doch plötzlich lösten sich der Garten und der Bär in Nebel auf, und um Athelael wurde es schwarz.
Als er seine Augen wieder aufschlug und von diesem mysteriösen Traum erwachte, lag er immer noch auf dem Boden. Doch verwundert und erfreut stellte er fest, dass die Wunde in seiner Brust und der darin steckende Pfeil verschwunden waren. Athelael stand auf, und er sah, dass seine feine Kleidung von dem Blut, das sich noch vor wenigen Minuten darauf ausgebreitet hatte, gereinigt war.
Auch fühlte er sich anders als vor seiner Verletzung, ein Gefühl von großer Stärke hatte sich in ihm ausgebreitet. Einer plötzlichen Eingebung folgend ging Athelael zu einem riesigen, am Boden liegenden Felsbrocken. Und siehe da – ohne Mühe konnte er diesen aufheben. Athelael hob den Felsen hoch über seinen Kopf, und mit einem mächtigen Stoß warf er ihn mehrere Dutzend Meter weit durch die Luft. Mit einem stummen Gebet an Seren dankte er für diese unverhoffte Wendung seiner Geschicke.
Erst da kam Athelael wieder in den Sinn, was der Bär ihm gesagt hatte. Also wandte er sich nach Süden und ging los.
Nach wenigen Minuten zeichneten sich in der Ferne wunderschöne weiße Mauern ab, und nach kurzer Zeit kam dahinter eine Stadt zum Vorschein in deren Mitte, umgeben von einem tiefen Burggraben, ein gewaltiges Schloss thronte.
Als Athelael das Stadttor erreicht hatte, stellte er überrascht fest, dass es nicht bewacht war und weit offen stand. Kurzerhand betrat er also die Stadt und folgte der Straße weiter nach Süden, an schönen weißen Häusern vorbei.
Wenig später kam er an einen großen Platz, in dessen Mitte eine Statue von Saradomin stand. Auf dem Platz hatten sich hunderte Menschen, offenbar alle Einwohner der Stadt, versammelt. Männer und Frauen riefen wild durcheinander, während ihre Kinder aufgeregt zwischen ihren Beinen hin und her huschten. Soldaten in Uniform und mehrere Ritter in schlohweißen Rüstungen versuchten für Ordnung zu sorgen. Auf dem Sockel der Saradomin-Statue stand ein fein gekleideter Mann, der eine Krone trug und rief:
„Ich kann nur immer wieder sagen: wir haben nicht die Macht, um solch ein Wesen zu stoppen! Wenn Nivu uns erwischt, wird er uns allesamt zertrampeln! Wir haben keine Wahl, wir müssen Falador verlassen!“
Die aufgebrachte Menschenmenge, die sich weigerte, ihre Heimat zu verlassen, beschimpfte und bespuckte den König, die Ritter und die Soldaten, die selbst allesamt relativ unsicher wirkten.
Mit lauter Stimme trat Athelael vor und rief: „Höret meine Worte, Bürger von Falador! Ich wurde hierher gesandt mit der Aufgabe, euch zu retten!“
Sofort wurde es mucksmäuschenstill auf dem Platz. All die Menschen wandten sich Athelael zu, denn offensichtlich hatten sie nicht erwartet, jemals jemanden zu treffen, der keine Angst vor diesem Monster namens Nivu zeigen würde.
Der König musterte Athelaels fremde Kleidung und seine spitzen Ohren. Schließlich sagte er: „Das sind große Worte, Fremder. Nivu wird in Kürze hier sein, dann habt Ihr die Chance, Euch zu beweisen.“
Die Einwohner von Falador konnten den König schließlich davon überreden, in Falador zu bleiben. Sie vernagelten die Fenster ihrer Häuser von innen und spähten durch die Ritzen der Bretter nach draußen, wo Athelael alleine am Hauptplatz stand, das Schwert gezogen und bereit zum Kampf.
Bald kündigte sich Nivus Ankunft an: die Erde erbebte von tonnenschweren Schritten, und in der Ferne tauchte ein Mann auf, so riesenhaft, dass sein Schatten ganz Falador in Dunkelheit tauchte. Seine Haut war gräulich und rau, und auf seinem Kopf wuchs kein einziges Haar. In seiner Hand hielt der Riese Nivu ein gigantisches Schwert, länger als 5 erwachsene Männer über einander.
Das Ungeheuer blieb vor Athelael stehen und blickte überrascht zu ihm hinunter. Noch nie hatte ein Lebewesen sich ihm so furchtlos gestellt.
„Monster, verlasse diese Gegend und kehre nie wieder!“, brüllte der Elf seinem Gegenüber so laut er konnte zu, und in seiner Stimme fand sich nicht das geringste Zittern, „Wenn du nun umkehrst, verschone ich dein Leben, doch wenn du es vorziehst, zu bleiben und zu kämpfen, dann werde ich es dir nehmen!“
Da lachte der Riese Nivu so laut, dass die Vögel in schwarzen Wolken von den Hausdächern aufstoben und die Bäume vor Schreck ihre Blätter verloren. Ohne noch ein Wort zu sagen holte das Ungetüm mit seinem Schwert aus und schlug zu.
Zwar konnte Athelael der mächtigen Klinge des Gegners noch entkommen, doch die Parierstange der Waffe traf ihn seitlich am Kopf, und ohnmächtig stürzte er zu Boden.
Nivu grölte: „Hört mir zu, Bürger von Falador! Ich bewundere Mut, und dieser junge Mann hat seinen soeben bewiesen. Deshalb erlaube ich es euch, einen weiteren Tag hier zu leben. Jedoch werde ich morgen wiederkehren und jedes lebende Wesen, das ich finde, vertreiben.“ Und mit diesen Worten stapfte der Riese wieder davon in Richtung Norden.
Als die Schritte von Nivu in der Ferne verhallt waren, verließen die Einwohner von Falador ihre Häuser wieder. Sie hoben den am Boden liegenden Athelael auf und trugen ihn ins Schloss. Dort erwachte er bald wieder aus seiner Ohnmacht, denn seit seinem mysteriösen Traum von vorhin schien er nicht nur deutlich stärker, sondern auch resistenter gegen Verletzungen geworden zu sein.
Sofort sprang Athelael auf, kleidete sich an und gürtete sein Schwert um. Die Männer und Frauen, die ihn ins Schloss gebracht hatten, wollten ihn aufhalten, doch der Elf bestand darauf, den Riesen aufzusuchen, um sich noch einmal mit ihm zu duellieren. Denn in Tirannwn hatte er den Schwertkampf viele Jahre lang geübt und er hatte noch nie zuvor eine Niederlage einstecken müssen.
So verließ der junge Elf die Stadt Falador wieder und folgte den Fußspuren des Riesen nach Norden. Nach einiger Zeit kam er an einen großen weißen Berg, aus dem eine Quelle entsprang. Neben der Quelle lag, bequem eingerollt, ein roter Fuchs. Sein Kopf war in die Höhe gereckt, und mich wachen Augen blickte er Athelael an. „Unterwegs zu deiner nächsten Niederlage?“, fragte der Fuchs.
Athelael antwortete: „Ich habe keine andere Wahl, Fuchs. Ich muss die Stadt Falador von dem Riesen befreien, und notfalls werde ich bei dem Versuch, Nivu zu töten, selbst sterben.“
Träge erhob sich der Fuchs. Er ging hinüber zu einem wunderschönen, flachen hellblauen Stein, der wenige Meter entfernt am Boden lag. Mit einer seiner kleinen Klauen ritzte er darin ein rautenförmiges Symbol ein und sagte: „Jedes Wesen verdient es zu leben.“ Mit diesen Worten wandte der Fuchs sich um und lief mit trippelnden Schritten davon.
Eine Weile lang dachte Athelael über die Worte des Tieres nach. Er wusste, dass er, im Gegensatz zu der Verkündung des Schwarzbären, soeben keine göttliche Weissagung gehört hatte, doch trotzdem galten Füchse auch bei den Elfen als äußerst intelligente Tiere.
So machte der Held sich wieder auf den Weg, und bald kam er zur Höhle des Riesen. Er stellte sich vor dem Eingang auf und rief: „Komm heraus, Nivu, und stelle dich deinem Schicksal!“
Der Riese war nicht erfreut, dass sein Schlaf gestört wurde, und als er die Höhle verließ, begann er, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, mit seinem riesigen Schwert auf Athelael einzuschlagen. Dieser jedoch wich den Hieben geschickt aus oder parierte sie mit seiner eigenen Waffe. Er wich immer weiter zurück, bis die beiden in einen hellen, lichten Wald kamen.
Als der Riese seine Angriffswut einige Sekunden unterbrach, um nach Luft zu schnappen, erinnerte Athelael sich noch einmal an die Worte des Fuchses. Plötzlich brachen aus seinem Mund Worte in einer uralten Sprache hervor, die er selbst noch nie gehört hatte.
Plötzlich vereinigte sich die Flüssigkeit in der Luft zu einer festen Wassermasse, die den Riesen Nivu zu Boden drückte. Als das Ungetüm am Boden kauerte, schloss das Wasser ihn vollkommen ein, und verwandelte sich in feuchte Erde, aus der innerhalb von Sekunden saftiges grünes Gras und mächtige Bäume sprossen. Ganz oben auf dem soeben entstandenen Hügel schossen plötzlich mehrere Felsen aus dem Boden, die eine Art großen, runden Steintisch umrundeten.
Als das göttliche Schauspiel beendet war, atmete Athelael erleichtert auf. Der Riese war gefangen.
Als Athelael nach Falador zurückkehrte und den Einwohnern der Stadt von seinem Sieg erzählte, wurde er als Held gefeiert. Der König selbst ernannte ihn zu seinem General und Berater, und er wurde zum Liebling des Volkes.
Über die nächsten Jahre stand Athelael dem jeweiligen König von Falador mit Rat und Tat zur Seite, und er tat dies mit Weisheit und voller Entschlossenheit. Er führte die Stadt und deren Umland zu Frieden, Wohlstand und Sicherheit, und wurde dafür von den Einwohnern des Landes geliebt.
Doch nach 200 Jahren war es an der Zeit für Athelael zu gehen. Es heißt, er wanderte zurück in den fernen Westen, um nach seiner Familie zu suchen. Doch was wirklich mit ihm geschah wird wohl niemand von uns jemals wissen.
Sicher ist nur, dass er eines Tages nach Falador zurückkehren wird, um der Stadt ihren alten Glanz zurückzubringen…


Zuletzt von Artamo am Sa Dez 13 2014, 13:19 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Vunian

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BeitragThema: Re: Die gesammelten Geschichten von Gielinor   Sa Dez 13 2014, 12:05

Geschichte 2 - Die Winterhexe

Vor vielen Jahrhunderten lebte in Falador eine Frau, an deren Namen sich heute niemand mehr erinnert. Sie wohnte alleine in einem schlichten Haus und arbeitete dort als Heilerin. Zwar benutzte sie oft auch Magie um Kranke und Verletzte zu pflegen, doch meist verließ sie sich auf ihre Fähigkeiten als Medizinerin.
Um ihr Wissen über den menschlichen Körper zu erweitern war es schon immer ihr Ziel, eines Tages jemanden zu Sezieren. So könnte sie Erfahrungen sammeln, um den Menschen die zu ihr kamen noch besser zu helfen. Doch diese Art der Untersuchung wurde als Leichenschändung angesehen und somit verboten.
Eines Tages gelang es der Heilerin jedoch, einen sterbenden Patienten von ihrer Idee zu überzeugen. Der Mann erklärte sich bereit, ihr seinen Körper nach seinem Tod zur Sektion zu hinterlassen. Als er wenige Tage später tatsächlich starb transportierte die Frau seine Leiche bei Nacht und Nebel in ihr Haus, um sie dort zu untersuchen.
Als sie den toten Körper aufschnitt und sich dabei konzentriert Notizen machte hörte die Heilerin plötzlich ein Geräusch an ihrem Fenster. Sie drehte sich um und sah gerade noch, wie eine Person, die nach drinnen gespäht hatte, sie umwandte und davonlief. Hastig versuchte die Frau, die Leiche irgendwo in ihrem kleinen Haus zu verstecken.
Doch schon nach wenigen Minuten war es soweit. Wachen brachen ohne vorher um Einlass zu beten ihre Türe auf und stürmten den Raum dahinter. Bald fanden sie die aufgeschnittene Leiche des alten Mannes. Sie als Hexe beschimpfend packten die Wachen die Heilerin und zerrten sie in ein Verlies im Schloss.
Am nächsten Tag wurde der Frau am Stadtplatz ein Schauprozess gemacht. Man verurteilte sie wegen Leichenschändung und Hexerei, und sie musste zusehen wie man ihr Haus und all ihre Habseligkeiten verbrannte. Anschließend wurde sie von den Stadtbewohnern brutal zusammengeschlagen und dann ohne jegliches Hab und Gut aus der Stadt gejagt.
Schwer verletzt schleppte die Frau sich davon, weit weg von ihrer Heimatstadt. Unterwegs konnte sie sich durch ihre Fähigkeiten als Heilerin selbst verarzten, und ihre Verletzungen verschwanden mit der Zeit. Nach einigen Tagen kam sie beim Eisigen Berg an. Da ihr Ruf als Leichenschänderin ihr vorausgeeilt war wusste sie, dass sie nur dort, in totaler Isolation, in Ruhe würde leben können.
So errichtete sie auf dem Gipfel des Berges ein kleines Zelt und lebte einsam vor sich hin. Sie trank geschmolzenen Schnee und aß Beeren und Kleintiere, die sie mit Fallen fing. Auch unterhielt sie sich manchmal mit dem Orakel, das ebenfalls auf dem Berg lebte. Doch den kryptischen Äußerungen dieser Frau wurde sie bald überdrüssig.
Nach einigen Monaten beschloss die Heilerin, sich an den Einwohnern von Falador zu rächen. Sie arbeitete an ihren magischen Fähigkeiten, um so eines Tages die Menschen aus der Weißen Stadt ermorden zu können.
Dabei entdeckte sie bald die Macht von Eis und Schnee in Kombination mit Hexerei. Sie brachte sich selbst bei, Blizzards zu beschwören und Tiere mit magischen Speeren aus Eis zu töten. Außerdem entdeckte sie einen Weg, um sich mit der Kraft der Eiseskälte vor dem Altern zu schützen.
Durch all diese magischen Experimente veränderte sich der Körper der ehemaligen Heilerin, die sich nun selbst als die Winterhexe bezeichnete, zusehends. Ihre Haut wurde weiß wie Schnee und ihre Haare blau wie Gletschereis. Sie fertige sich eines Tages auch einen Zauberstab, dessen Spitze aus magisch verstärktem Eis bestand.
Nach fünf Jahren war die Winterhexe soweit. Ihre Fähigkeiten in Sachen Kältehexerei waren so weit entwickelt, dass ihr ganz Falador nicht widerstehen können würde. Sie nahm ihren Zauberstab, dem sie den Namen Glaziolis gegeben hatte, und machte sich auf den Weg nach Falador.
Auf dem Weg dorthin jedoch bemerkte sie, wie ihre Kräfte immer weiter schwanden je weiter sie sich vom Eisigen Berg entfernte. Als sie schließlich vor den Toren von Falador stand war ihre Macht schon nicht mehr größer als die jeder durchschnittlichen Magierin. Als die Wachen die Winterhexe bemerkten wurde sie deshalb von plötzlicher Furcht ergriffen und floh, verfolgt von Soldaten.
Zurück am Eisigen Berg schließlich stellte sie sich ihren Verfolgern. Wieder erstarkt durch die Kälte des Berges war es ihr ein Leichtes, eine Lawine zu beschwören und die Soldaten aus Falador innerhalb von wenigen Sekunden zu töten.
Doch danach wurde die Winterhexe von tiefer Trauer ergriffen. Sie wusste nun, dass sie sich niemals an den Einwohnern von Falador rächen können würde, da die Stadt einfach zu weit entfernt vom Eisigen Berg war. Entmutigt beschloss sie, auf dem Berg zu bleiben und ihre Fähigkeiten weiter zu vertiefen.
Da die Winterhexe niemals altern konnte, erlebte sie aus der Ferne, wie ihre Feinde aus der Weißen Stadt nach und nach dem Alter erlagen. Doch über diese Art des Todes verspürte sie keinerlei Genugtuung. Über die nächsten Jahrhunderte hinweg verrauchte ihr Zorn in der Kälte des Eisigen Berges, und die Winterhexe konnte sich zur Ruhe setzen.
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Vunian

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BeitragThema: Re: Die gesammelten Geschichten von Gielinor   So Dez 28 2014, 15:24

Geschichte 3 - Der Wächter von Lumbridge

Der Junge, mit dem diese Geschichte beginnt, wusste nicht, ob er schon in der Wildnis geboren worden war, oder ob er erst dort lebte soweit er sich zurück erinnern konnte. Das Einzige was er wusste war, dass er und sein Bruder, der einzige Mensch dem er je begegnet war, wohl dazu verdammt waren, bis zum Ende ihrer Tage in der tristen und grauen Einöde um ihr Überleben zu kämpfen.
Die karge Landschaft bot kaum Pflanzen oder Wasser, geschweige denn Tiere – dafür aber viele Gefahren in Gestalt von zahllosen Ungeheuern und Monstern. Nicht selten geschah es, dass der Junge und sein Bruder sich in panischer Angst verstecken mussten. Eigentlich glich es einem Wunder, dass sie so lange am Leben blieben.
Eines Tages jedoch kam es wie es kommen musste und ihr bisheriges Glück fand ein jähes Ende. Als sie in der Dämmerung ihr Lager errichten wollen wurden sie angegriffen, von einer Kreatur, zu grauenhaft um sie zu beschreiben. Ihre Augen leuchteten strahlend rot wie Rubine, und ihre Krallen und Reißzähne schienen lang und scharf wie Degen.
Als die Bestie sich mit einem fürchterlichen Schrei auf seinen Bruder stürzte, rannte der Junge davon. Ohne Ziel und ohne Halt zu machen irrte er durch die Wildnis.
Es vergingen Jahre, in denen der Junge langsam zu einem jungen Mann heranwuchs. Immer besser passte er sich dem Leben und Überleben in diesem unwirtlichen Land an. Doch stets belasteten das Schicksal seines Bruders, den er feige zurückgelassen hatte, und der Blick dieser höllischen Kreatur mit ihrer leuchtenden Augen seine Gedanken und zerrten sie zu Boden wie einen schweren Anker in den Untiefen des Ozeans.
Zehn Jahre später schließlich änderte sich für den jungen Mann alles. Er hatte sich nie die Mühe gemacht, eine Karte der Wildnis anzufertigen und hatte sie ohne festes Ziel durchstreift. Nun war er aber weiter nach Süden gekommen als jemals zuvor.
So kam es, dass er schließlich vor den Toren einer großen Stadt landete, wo er zum ersten Mal seit dem Tod seines Bruders auf menschliche Wesen traf. In ihren strahlenden Rüstungen und mit ihren schimmernden Schwertern erinnerten sie ihn an die heldenhaften Ritter aus den Geschichten, die sein Bruder ihm damals immer aus einem alten, zerfledderten Buch vorgelesen hatte und die ihm ebenso fern und übermenschlich erschienen wie Geister oder Engel hoch im Himmel.
Die Männer stutzten, als sie diesen ungepflegten und ausgemergelten Burschen erblickten, der ihnen direkt aus der Wildnis entgegen kam. Doch schnell nahmen sie sich seiner an, gaben ihm Essen und erzählten ihm von ihrer Heimat, Varrock. Die Geschichte ihres mysteriösen Gastes erregte ihr Mitleid, und so brachten sie ihn mit sich zurück in die große Stadt.
Von da an lebte der Junge mit diesen Männern, die sich selbst als die Ritter des Weißdornordens betitelten und scheinbar in der ganzen Welt hohes Ansehen genossen. Sie brachten ihm das Kämpfen bei und erzählten ihm von der weiten Welt, und schließlich wurden sie zu seiner Familie.
Als der junge Mann alt genug war, trat er in die Armee von Varrock ein. Er war tugendhaft und fleißig, denn er hatte ein klares Ziel vor Augen: Eines Tages sollte er selbst zu den Rittern des Weißdornordens gehören.
Schließlich machte sich seine Anstrengung bezahlt, wenn auch auf unerwartete Art und Weise. Denn Tibus Sedos, der Fürst von Lumbridge, bat ihn darum, sein Heer als Offizier zu unterstützen. Ein solches Angebot konnte der junge Mann nicht ausschlagen, und so zog er nach Süden.
Doch sein Drang, ein immer stärkerer Kämpfer zu werden, bewegte ihn dazu, sich erneut an die Ritter des Weißdornordens zu wenden. Von da an wurde er regelmäßig von Sir Azdaran Sedos in Lumbridge besucht, wo dieser ihn in der Kunst des Schwertkampfes weiter ausbildete.
Von da an ging es mit seinem Leben weiter bergauf. Er schloss Freundschaft mit dem reichen Händler Lord Edward Gray, der die Heere der hiesigen Lande mit Waffen versorgte und ihn von Zeit zu Zeit nach Falador einlud. Außerdem lernte er eine Frau kennen, die schöne Ravilana. Kurz gesagt: das Leben war endlich schön für den einst so gepeinigten jungen Mann.
Doch das Schicksal beschloss in seiner unnachgiebigen, geheimnisvollen Natur, ihm seinen Frieden nicht einfach so zu lassen. Denn am Horizont dämmerte schon ein Ereignis, das sein Leben für immer verändern würde – die Schlacht auf der Schwarzen Feste, Utgarde.
Der Mann, inzwischen ein angesehener Offizier, wurde zu gegebener Zeit in die Angriffspläne des Weißdornordens eingeweiht. Doch die vorgesehene Strategie erschien ihm stumpfsinnig und zu wenig ausgereift.
So machte er sich daran, einen eigenen Plan auszuarbeiten. Er mobilisierte all seine Freunde und Bekannten, um ihn verwirklichen zu können.
Als der Mann schließlich jedoch dem hochrangigen Weißdornritter Sir Gohan seine Pläne präsentierte, wurden diese ohne Zögern abgeschmettert. Doch er konnte all das, wofür er gearbeitet hatte, nicht so einfach aufgeben.
So teilte er Sir Gohan mit, dass er seinen Plan durchsetzen würde, koste es, was es wolle. Auf den Befehl hin, dies zu unterlassen, reagierte er mit dem drastischsten Mittel, das ihm zur Wahl stand. Nach einem kurzen Zögern legte der Mann schließlich seinen Mantel ab und gab seinen Posten als Offizier auf, um seine Pläne durchsetzen zu können ohne das Verbrechen der Befehlsverweigerung begehen zu müssen.
Mit diesen abschließenden Worten wollte er das Schloss von Lumbridge verlassen. Doch Sir Gohan, der in dem Plan eine Gefahr für das Vorhaben des Ordens sah, folgte ihm und nahm ihn schließlich fest.
Als sich der Mann schließlich in der Zelle im schmutzigen, feuchten Kerker des Schlosses widerfand wurde ihm eines klar: an diesem Tag hatte er auf einen Schlag hin alles verloren, wofür er so viele lange Jahre gearbeitet hatte.
Wenige Tage später jedoch kehrte Tibus Sedos von einer langen Reise zurück. Als er erfuhr was geschehen war, besuchte er den Mann sofort in dessen Zelle. Nachdem dieser ihm von seinem Streit mit Sir Gohan erzählt hatte, ließ der Fürst ihn schließlich wieder frei. Doch dabei stellte er ihm eine Bedingung: Von nun an sollte der Mann über Lumbridge wachen und es nicht als Mitglied der Armee, sondern als private Person beschützen. Und so wurde der Wächter von Lumbridge geboren.
Doch wer glaubt, dass von da an alles gut war, der irrt traurigerweise gewaltig. Denn der Wächter war zwar frei, doch seine Seele war gefangen, gebunden an die Stadt Lumbridge durch den Schwur, den er Tibus Sedos geleistet hatte.
Dies setzte seinem Geist schwer zu. Von da an war er aggressiv und reizbar, bestellte Dirne um Dirne in sein Haus und wurde von so manchem sogar für wahnsinnig erklärt. Auch nach der Schlacht um Utgarde änderte sich für ihn nichts.
In dieser Zeit musste er sich wohl, wenig überraschend, wohl gemerkt, so manchen Feind gemacht haben. Denn eine unbekannte Person beschuldigte ihn des Hochverrates dem Fürst gegenüber.
Zu diesem Zeitpunkt war die Seele des Wächters schon zu stark beschädigt, um die Energie aufzubringen, die Intrige aufzudecken. Stattdessen akzeptierte er mit stiller Resignation die Herausforderung des Fürsten, einem der letzten ihm verbliebenen Freunde.
Und so kam es, dass die beiden Männer einander an einem kalten Herbsttag unweit von Lumbridge gegenüber standen und in einem Kampf auf Leben und Tod ihre Klingen tanzen ließen. Schließlich, nach einer halben Ewigkeit, fanden die jeweiligen Waffen zugleich ihr Ziel und beide Kämpfer wurden in der Brust getroffen.
Doch der Wächter verfehlte sein Ziel um wenige Zentimeter, während Fürst Sedos sein Herz mit der Spitze seines Schwertes durchbohrte.
Da wurde alles schwarz, und der Wächter stürzte in endlose Tiefe. Ewig lange schien er durch die Finsternis zu fallen, ehe schließlich ein helles Licht erstrahlte. Und in diesem Licht blickte ihm das Gesicht seines Bruders, den er vor Jahrtausenden, so schien es ihm, in der kalten Wildnis an jene grausame Bestie verloren hatte, entgegen.
Schluchzend stürzte der Wächter auf die Knie. Doch sein Bruder streckte ihm seine Hand entgegen und als er sprach, klang seine Stimme so glücklich und voller Frieden, nicht mehr gehetzt und voller Angst wie damals in ihrer fürchterlich einsamen Kindheit: „Gräme dich nicht, großer Bruder. Ich mache dir keinen Vorwurf, dass du damals geflohen bist. Ich bin glücklich. Glücklich, dass mein großer Bruder weiterleben durfte.“
Noch immer konnte der soeben Gestorben sich kaum rühren, so überwältigt war er. Sein Bruder legte die Hand auf seinen Kopf, so wie der Wächter es früher immer bei ihm gemacht hatte, wenn er sich fürchtete oder traurig war, und zerzauste mit einem bedauernden Lächeln sein Haar. „Aber noch hast du es nicht überstanden, befürchte ich. Du musst zurückkehren. Doch wir werden uns wiedersehen.“
Da ergriff den Wächter plötzlich eine unsichtbare Hand und zog ihn davon, fort von seinem Bruder und zurück in die Finsternis. Das letzte was er sah war sein kleiner Bruder, der ihm ermutigend hinterher winkte. Dann wurde er mit einem unsanften Ruck zurück in das Reich der Lebenden geschleudert.
Etwas orientierungslos fand sich der Wächter im oberen Stockwerk eines kleinen Hauses wieder. Ihm gegenüber stand ein junger Mann, den er noch nie zuvor gesehen hatte und der sich als Meister Marr´kai vorstellte.
Während der Wächter noch zu überrascht und verwirrt war, um die Worte in seinem Geist zu Sätzen zu formen, erklärte der Mann ihm, dass er ihn von den Toten zurückgeholt habe und dass er ihn eines Tages für einen Auftrag brauchen würde. Ohne eine Antwort abzuwarten verließ der Fremde das Haus und war auch schon verschwunden.
Als der Wächter schließlich ebenfalls das Haus verließ, rieb er sich überrascht die Augen: Er war wieder in Lumbridge!
Doch was sollte er nun tun? Doch für den Wächter von Lumbridge gab es nur eine Antwort. Immerhin hatte er einen Schwur geleistet.
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